Freitag, 4. Dezember 2009 14:32
Im Februar 2010 wird die Fotocommunity, die größte europäische Foto-Website, 9 Jahre alt. Erfahren habe ich über dieses Jubiläum durch das allererste hochgeladene Foto des Gründers Andreas Constantin Meyer, das heute auf der Startseite zu sehen war. Wie ich auf die Fotocommunity kam, weiß ich jetzt nicht mehr – angemeldet habe ich mich dort im Mai 2006. Ich war damals von der gewaltigen Flut der hochgeladenen Bilder begeistert und gleichzeitig überwältigt: die kann sich doch keiner anschauen! Erst später kam die Erkenntnis: man muß es nicht… Die Mitgliederprofile bewegen sich zwischen Profi-Fotografen/Foto-Künstlern und ahnungslosen Knipsern – dazwischen sind alle Stilrichtungen und Zumutbarkeiten vertreten: perfekte Landschaften aus aller Welt, Schwarz-Weiss-Fotografie nach alter Manier, glatt gepixelte Models, digital erstellte Fantasy-Welten, Computer-Grafiken, Fotomontagen, Modellbahn-Fanatiker, und viel, viel mehr. Ab und zu gibt es Wettbewerbe zu bestimmten Themen – neben den kreativen Umsetzungen werden da auch vom Sofa aus geknipste Blitz-Fotos ausgestellt.

unvollkommen: die katze und das bild
Am interessantesten ist jedoch das Getümmel um Galerie-Vorschläge. Nach dem ich eine bezahlte Mitgliedschaft erworben hatte, habe ich das Vergnügen, das Voting-Prozedere zu beobachten und natürlich auch daran teilzunehmen. Die schlauen Foto-Autoren, deren Bilder für die Galerie vorgeschlagen wurden (von den Freunden, Bekannten und Unbekannten, von den Autoren selbst auch), schalten die Kommentarfunktion ab und alle haben Ruhe. Bei denen, die diese Funktion nicht abgeschaltet haben, beginnt das Theater. Auf der Bühne erscheinen verschiedene Akteure: Freude über den (unerwarteten) Vorschlag verbunden mit der gelassenen Neugier auf die Voting-Ergebnisse; Enttäuschung über viele (natürlich unerwartete) Contras und negative Kommentare, manchmal nur verbunden mit der Erkenntnis, dass man doch noch keine guten Fotos macht; ernste Frustration darüber, dass einer, trotz der “tollen” Fotos (und Selbstvorschläge), die er knipst, es noch nie in die Galerie geschafft hat; beleidigte Prinzen (und auch Prinzessinnen), die ihr glänzendes Fotografen-Selbstbild nicht bestätigt bekommen haben; die hoffnungslos “politisch Korrekten”, denen “so nette Leute hier” bestimmt kein Contra setzen werden; verbale Aggressionen gegen alle Feinde, die ihr Contra öffentlich gewagt haben.
Vielleicht wird mal eine Psychologie-Diplomarbeit über das Voting-Verhalten in der Fotocommunity geschrieben? Es gäbe dort genug Material dazu…