Beitrags-Archiv für die Kategorie 'der Mensch'

Der Besucher

Freitag, 5. November 2010 21:53

Gestern habe ich einen Mann kennen gelernt, der 84 Jahre auf der Erde zu Besuch war. Er hinterließ viele Spuren: Dokumente, Fotografien, Gedichte, Bilder und Emotionen im Gedächtnis seiner Nächsten.

der besucher

der besucher

Seine Ankunftszeit konnte er sich nicht auswählen, und so geriet er als junger Mensch in das Getriebe der größten Menschheitsdesaster. Immer dabei hatte er ein kleines Heftchen, wo er Gedichte und Bemerkungen aufschrieb. Das, was er in dieser Zeit erlebte, kann man an der Veränderung der Handschrift ablesen – die altmodische Schrift selbst ist heute nur wenigen zugänglich.

Ich habe den Eindruck, dass er – trotz allem – mit dem Besuch zufrieden war. Er verabschiedete sich und ging… Dort hin, woher wir Besucher alle kommen – aus dem Fluß der Zeit.

Thema: der Mensch

das Nebeneffekt

Dienstag, 2. März 2010 19:53

Der Mensch sollte es soweit gebracht haben, weil er die (bis jetzt) erste Spezies ist, die die im Laufe ihres Lebens erworbenen Erfahrungen an die Nachkommen weitergeben weiß. Die Nachkommen sind wiederum mit einer eingeborenen Fähigkeit zu Nachmachen und Verinnerlichen ausgestattet.

Das funktionierte, so lange die natürliche Evolution diejenigen aussortiert hatte, die lebensbedrohliche Erfahrungen als solche nicht erkannt haben. Als aber die zivilisatorische Evolution den Platz der natürlichen Auslese übernahm, zeigt sich ein Nebeneffekt dieses Verhaltens: die schlimmsten das Leben vernichtenden Handlungen werden immer wieder wiederholt, angereicht mit immer raffinierter Vernichtungstechnik und mit immer größerem Profit.

Thema: der Mensch

Untertanen

Freitag, 19. Februar 2010 15:11

Ich denke, zum ersten Mal wurde es in der Bibel klar gesagt: der Mensch soll sich die Erde untertan machen. Und obwohl zu dem Thema dort nichts weiter stand, machte er sich auch an Seinesgleichen ran.

Die gesamte, in allen Zivilisationen aufgeschriebene Geschichte, ist die Geschichte der Herrschenden und Beherrschten. Seit Jahrtausenden erobern, herrschen, regieren die Einen und sich untergeben, beherrschen und ausbeuten lassen die Anderen. Es ist stets immer das gleiche Prinzip, es ändern sich nur die Begriffe, die die Beteiligten beschreiben: auf einer Seite sind es Patriarchen, Häuptlinge, Könige, Präsidenten, Vorstands-Chefs, Männer – auf der anderen Stamm-Mitglieder, Untertanen, Volk, Bürger, Mitarbeiter, Frauen… Das Verhältnis zwischen den Herrschenden und Beherrschten wird auch – je nach Epoche und Milieu – unterschiedlich genannt: Sklaverei, Leibeigenschaft, Militärdienst, Arbeitnehmerverhältnis, Ehe.

Warum ist es so? Ist vielleicht diese (männliche!) Eigenschaft, sich auf jede erdenkliche Weise über die Anderen erheben zu müssen, ein Überbleibsel aus der Tierwelt? Ich denke, ja… Diese Eigenschaft ist so stark, dass sie hunderte von Jahrtausenden des Menschwerdens überdauerte und zur Grundlage für die Entstehung (und den Untergang) der Zivilisationen wurde.

Thema: der Mensch