Freitag, 31. März 2006 16:16
Heute habe ich erfahren, dass am 23. März im Alter von 85 Jahren der polnische Schriftsteller Stanisław Lem gestorben ist. Noch ein Zeitgeist, der für mich sehr wichtig war und den ich nicht mehr kennen lernen würde, noch einer, den ich verpasst habe.
Im Gymnasium hatte ich eine Verfilmung seines bekanntesten Romans “Solaris” gesehen, was bei mir eine Science-Fiction-Faszination auslöste. Mehr als 10 Jahre lang las ich alles, was mir in die Hände fiel, nicht nur von ihm, sondern auch von vielen anderen Science-Fiction-Autoren. Lem’s “Fantasie” war ziemlich stark durch Philosophie geprägt: der Zukunftsmensch in fernen Galaxien oder auf dem Weg dahin war immer noch auf der Suche nach sich selbst und seinen Grenzen.

das zusammenwirken
Noch zwei seiner anderen Romane sind mir in der Erinnerung geblieben. Den Titel von dem ersten weiß ich leider nicht mehr: Nach einer langen und strapazierten Weltraumreise zu einer fernen Galaxie, um mit dortigen intelligenten Wesen den Kontakt aufzunehmen, stehen die Astronauten vor einem Gebüsch ähnlichen Etwas, dessen Signale sie auf keine Weise verstehen können. Die Enttäuschung ist sehr groß. Und dann kommt der Satz, dessen Sinn mich heute noch berührt: Vielleicht sind die Galaxien mit Absicht so weit voneinander entfernt, damit sich die eventuell entwickelte Intelligenzen nie begegnen – weil sie dann so unterschiedlich sind, dass sie sich nie verständigen können…
Der zweite Roman heißt “Katar” (Der Schnupfen): ein zufälliges Zusammentreffen von verschiedenen Faktoren erweist sich für bestimmte Menschen als Amok-Auslöser, der zu Selbstmord führt. Diese Geschichte machte mir schon damals bewusst, dass nicht das wirklich gefährlich ist, was man kennt, sondern unbekannte, unvorhersehbare Interaktionen und Zusammenwirken, die zwischen bekannten Elementen zustande kommen können.