Beiträge vom November, 2009

verkabelt und vergoogelt

Montag, 23. November 2009 17:26

…bin ich seit einiger Zeit (fast) komplett.

halbwelten

halbwelten

“Verkabelt” bedeutet in diesem Fall, dass nun auch ich endlich mit den Stöpseln in den Ohren herum laufe.
Ich war (und bin immer noch) stets  überzeugt, die Musik kann ich am besten zuhause gemütlich auf dem Sofa oder mit den Kopfhörern am Computer so richtig genießen. Draußen aber brauche ich die Geräusche der Umgebung ungestört zu hören, das Gesehene muß für mich mit dem Gehörten zusammen gehören. Im Sommer habe ich mir dann ein neues Handy gekauft. Mit dem konnte ich zum ersten Mal Radio und aufgespielte Songs hören. Ich habe es also ausprobiert, mit den Stöpseln und einem Berliner Radiosender mit der S-Bahn zu fahren – und zu meiner Überraschung stellte  ich fest, dass alles zusammen ganz gut klappt: die Stöpsel in den Ohren, Musik hören, die Geräusche um mich herum auch wahrnehmen, durch die Gegend laufen bzw. in der S- oder U-Bahn sitzen. Das, was die Mehrheit der von mir bis jetzt gesehenen Menschen macht, mache ich jetzt auch: ich kapsele mich gründlich ab.

“Vergoogelt” bedeutet, dass ich immer mehr Google-Dienste benutze, obwohl ich mit dem, was die seit Jahren treiben, nicht besonders begeistert bin.
Immer wieder kommt eine Google-Welle durch alle Medien und meistens wird die riesige Daten-Sammlerei beklagt. Es wird dabei oft vergessen, dass diese Datenmenge freiwillig von den Benutzer geliefert wird. Keiner wird gezwungen, ausgerechnet die Google-Dienste zu benutzen. Ich habe Firefox, mit dem ich zufrieden bin, und keine Werbung der Welt kann mich dazu bringen, auf Chrome umzusteigen. Vor ca. 2 Jahren habe ich mich bewusst für Googles Picasa entschieden, weil es einfacher war, meine Fotos in Alben der Familie und den Freunden online zu zeigen als sie per eMail zu verschicken. Das war der Anfang der bewußten und kontrollierten “Vergoogelung” – immer entschied ich mich aber nur  für das, was ich wirklich brauchte. Die Dienste sind kostenlos, bezahlt wird trotzdem und zwar mit der Preisgabe von den mehr oder weniger persönlichen Informationen. Google ist schließlich nichts anderes als ein Informations-Händler, zur Zeit der größte. Ob er auch der beste ist, ist eine andere Sache. Diese Größe und die Ausbreitung in immer mehr virtuell erzeugte Bereiche macht mir manchmal Sorgen – es sind schon viel größere Imperien gefallen…

Thema: Moderne Zeiten

No Music Day

Samstag, 21. November 2009 14:46

… wird kurz in “Der Zeit” vom 19.11.09 erwähnt. Es braucht also wieder einen globalen Ausruf, damit einige sich gerade heute besinnen dürfen und dann vielleicht merken, dass es ein Leben ohne Musik (Auto, Zigarette usw.) gibt.
Der Zeit-Redakteur Ulrich Stock fragt: “Immer mehr hören an immer mehr Orten zu jeder Zeit für immer weniger Geld: Wo soll das eigentlich hinführen?” Die Antwort bleibt er aber schuldig… Ich denke, sie interessiert auch keinen außer Musikkonzernen und nur wegen “weniger Geld”.
Auf die Frage “Warum ständig und überall Stöpsel?” gibt es stattdessen mehrere Antworten (Weltabgewandtheit, Wirkverstärkung, Suchtverschiebung), nur diese eine nicht:
“Weil immer mehr Leute immer mehr daran verdienen wollen.”

Thema: Moderne Zeiten

Kombinationen

Donnerstag, 19. November 2009 15:09

nicht geschafft

nicht geschafft

Mein Vater (er ist 84 geworden) sagt oft, dass es heutzutage im Sommer keinen Sommer mehr gibt und im Winter keinen Winter mehr. Ich füge hinzu Anmerkungen wie: “Einen schönen Sommer haben wir in diesem Frühling” oder “Der Herbst dauert in diesem Winter sehr lange”. Alle vier Jahreszeiten lassen sich jetzt nach Belieben kombinieren und selten liegt man dabei falsch.
Ich kann mich noch sehr gut an das allererste Weihnachten erinnern, an dem es geregnet hat – das war im Jahr 1982. Der Schock war gewaltig: das war ein endgültiges Ende meines noch aus der Kindheit stammenden Bildes von den im weißen Schnee eingehüllten Weihnachtstagen als mein Vater mich und meinen Bruder mit dem Schlitten ein paar Blocks weiter zu Großmutter fuhr. Der Schnee knirschte, alle Geräusche waren wie nicht aus dieser Welt, der Frost kratzte an den von der Aufregung roten Backen…
Heute sind es +14 Grad, es weht ein warmer Wind vom Westen, Sonne scheint am blauen Himmel. Draußen, an der Fensterscheibe, spazieren Fliegen und Mücken, im Garten kommen die ersten grünen Krokusblätter aus der Erde, Geranien im Blumenkasten bilden nach wie vor Blütenknospen und blühen brav weiter  (wenn auch weniger und langsamer als vor 2 Monaten). Also kein Winter im Sicht und bis zum Weihnachten schafft er bestimmt wieder nicht, hierher zu kommen…
Und ich brauche keine Wissenschaftler, keine Umweltaktivisten, keine Klimamodelle, um festzustellen, dass sich das Klima in dieser Ecke der Erde in den letzten 50 Jahren gewaltig verändert hat.

Thema: Vier Jahreszeiten