Beiträge vom April, 2006

Unwiederholbarkeit des Wassers

Sonntag, 30. April 2006 18:49

Das nächste Kochereignis des Monats – Cannelloni. Ich mach sie heute zum Mittagessen und das ist für mich eine Premiere. Und sie gelingt so gut, dass danach alle am liebsten die Teller noch ablecken würden…

Nach dem Essen machen wir einen Spaziergang zum See. Es ist wieder kühl geworden, der Himmel ist kaltblau wie in Kanadas Osten. Ich kann mich von dem tiefen Blau nicht satt sehen, schaue immer wieder nach oben, um das frische Grün der Bäume vor diesem Hintergrund zu bewundern. Am See mache ich viel Fotos von welligen Spiegelungen im Wasser. Die Farben und Formen ändern sich langsam und unaufhaltsam – nur die Foto-Kamera kann sie einfrieren. Ich könnte stundenlang so stehen und den Auslöser drücken, und ich würde nie zwei gleiche Bilder bekommen.

Das ist das Aufbewahren des Moments in seiner reinsten Form. Der Hier-und-jetzt-Sekunden-Bruchteil wird hier und jetzt in einem Bild festgehalten, er wiederholt sich nie wieder, so wie die entstandene Fotografie auch.

die dame in blau

die dame in blau

Thema: 04 - April, Fotografie, unscheinbar 2006

Ansässigkeit

Samstag, 29. April 2006 16:37

Wir bereiten uns langsam auf die Renovierung des Wohn- und Esszimmers vor. Die Vorbereitungen muss eigentlich Achim treffen, was heißt, er muss den großen Regalschrank leeren. Die Kartons, die er mit kleinen und größeren Sachen füllt, stapeln sich im Gästezimmer schon zu Berge.

Wie viele Habseligkeiten kann ein Mensch im Laufe seines 55-jährigen Lebens ansammeln? Eines Lebens, das geradlinig abläuft? Eines Lebens, in dem man beim Umzug alles in das nächste (sprich: größere) Nest mitnimmt? Ich merke, dass mir das Verständnis für so ein Leben fehlt (nicht aber die Vorstellung). Meine “Ansässigkeit” wurde zwei Mal unterbrochen: das erste Mal bei der Flucht aus Polen, das zweite als ich meinen Mann verlassen hatte.

Beim ersten Mal war der Anfang wieder von der Null an, wie einst bei der ersten eigenen Wohnung. Das einzige, was ich später holen konnte, waren meine Bücher und die paar Fotos, die ich damals hatte.

Beim zweiten Mal musste ich hart aushandeln, was ich für meine eigenständige, neue Existenz von dem gemeinsamen Haushalt mitnehmen wollte. Danach aber konnte ich ungestört meine häusliche Umgebung so gestalten wie ich sie mir vorgestellt hatte, mich mit solchen Sachen umgeben, die mir gefallen und die ich mir immer gerne ansehen kann.

Von einigen dieser schönen Sachen musste ich mich vor 2 Jahren leider trennen als ich zu Achim zog. Das war meine Wahl, ich bestimmte, was ich behalte und was nicht.

Als ich dann mit Achims Generationen umfassenden Habseligkeiten konfrontiert wurde, war mir klar: je weniger ich ansammle, desto mehr Übersicht behalte ich und von weniger Sachen muss ich mich mal trennen.

fest verwurzelt

fest verwurzelt

Thema: 04 - April, unscheinbar 2006

Die Farbe Rot

Freitag, 28. April 2006 15:29

Der Tag fängt trüb an, entwickelt sich aber im Laufe des Vormittags zu einer blau-kalten, umwerfenden Schönheit.

Blausterne und Veilchen haben sich schon verabschiedet, das Blaue im Garten geben jetzt die Traubenhyazinthen. Langsam öffnen sich die ersten Blüten von Mandelbäumchen und Ranunkelstrauch. In der Mittagssonne fotografiere ich tiefrote Tulpen in voller Blüte, noch mit nächtlichen Regentropfen auf den Blättern.

Die Farbe Rot ist die faszinierendste Farbe überhaupt. Gleichzeitig ist sie am schwierigsten zu fotografieren – sehr selten bekomme ich auf dem Foto den selben Rotton wie er in der Wirklichkeit ist. Zu viele Faktoren bestimmen ihn: die Lichtmenge und -intensität, die umgebenden Farben, der Ausschnitt. Deshalb habe ich den Anspruch auf eine farbentreue Abbildung der roten Blumen schon längst aufgegeben.

rot ist nicht rot

rot ist nicht rot

Thema: 04 - April, Fotografie, unscheinbar 2006