Beiträge vom Februar, 2006

Kreta auf dem Papier

Dienstag, 28. Februar 2006 19:20

Meinen Augen geht es viel besser, die Kur gestern hat anscheinend geholfen.

Den ganzen Tag beschäftige ich mich mit unseren Fotos vom Kreta-Urlaub vor zwei Jahren. Sie müssen für eine Präsentation endlich fertig gemacht werden. Stundenlang retuschiere ich bereits gescannte Papier-Abzüge. Es ist eine sehr anstrengende und mühsame Arbeit. Nach sechs Stunden bin ich fest entschlossen: nie wieder Papier-Fotos! Nie wieder Fotos scannen! Diese Feststellung wurde zum letzten Stein des Anstoßes und der Entscheidung, mir eine neue Foto-Kamera zu kaufen – und diesmal eine digitale… Es muss auf jeden Fall noch vor dem diesjährigen Italien-Urlaub passieren.

Wir beide produzieren schon jetzt mehr Bildmaterial als wir (zurzeit) verarbeiten können. Aus dem vierwöchigen Kanada-Urlaub im letzten Jahr haben wir 423 Analog- und 1.638 Digital-Fotos mitgebracht, die bis heute einfach nur irgendwo im Regal oder auf der Festplatte liegen. Eine zweite digitale Kamera wird diese Situation bestimmt nicht ändern, sie eher weiter zuspitzen. Wir müssen uns also bald etwas einfallen lassen: was, wohin und wie wird es mit der Bilderflut weiter gehen…

Dem seit einigen Jahren andauernden digitalen Fotowahn passen sich auch viele Branchen an. Papier-Abzüge von digitalen Fotos werden immer günstiger und einfacher zu bestellen, besonders im Internet. Dort wird auch das Drucken von mehrseitigen Fotobüchern angeboten, die man sich mithilfe von eigens dazu hergestellter Software selbst zusammenstellen kann.

Kreta digital

kreta digital

Thema: 02 - Februar, unscheinbar 2006

Der Wald

Montag, 27. Februar 2006 19:12

Statt in die Stadt zu fahren, wo ich mich mit Jacek treffen wollte, gehe ich in die nächste Apotheke, um mir irgendwelche Augentropfen zu besorgen – meine Augen streiken nämlich endgültig. Zurück zuhause schlucke ich Aspirin und verordne mir Bett- und Augen-Ruhe. Aber nicht lange… Ich erinnere mich an ein altes Hausmittel gegen Augenbrennen: Tee-Umschläge! Die mache ich mir dann am Nachmittag – und schlafe dabei ein… Nach einer halben Stunde Schlaf fühle ich mich wie neu geboren: der Tag endet besser als er angefangen hat.

Auf diese Weise habe ich mir den Besuch beim Augenarzt erspart. Und es ist gut so… Ich mag keine Arztbesuche, Ärzte auch nicht…

Als ich klein war, hatte mich meine Mutter wegen Kleinigkeiten ständig zu allen möglichen Ärzten geschleppt – ich hatte angeblich Asthma (obwohl ich nie in Atemnot geraten war). Seit dem 6. Lebensjahr wurde ich jedes Jahr zur Kur oder in ein Ferienlager in die Berge geschickt. Mein letzter Kur-Aufenthalt war im Alter von 17 Jahren – es war über Weihnachten, in den verschneiten Sudeten. Ich denke, es war das einzige Mal, dass mich die Trennung vom Zuhause nicht belastet hatte – sonst litt ich immer sehr unter Heimweh und Alleinsein. Ich kann mich noch erinnern, als ich 14-jährig ganze zwei Monate in einem Sanatorium in den Bergen verbringen musste und mich so sehr verlassen fühlte, dass ich in den Wald ging, um dort allein auszuweinen. Öffentliches Heulen oder sich zu beklagen waren nämlich nie meine Art. Diese Eigenschaft sollte mir Jahrzehnte später zum Verhängnis werden…

der wald in Zeuthen

der wald in zeuthen

Thema: 02 - Februar, unscheinbar 2006

Zeugen

Sonntag, 26. Februar 2006 19:06

Am blauen Himmel segeln grau-blaue Federwolken dahin, eiskalter Wind treibt sie gen Süden. Die Luft ist kristallklar, die ab und zu von den Wolken befreite Sonne blendet meine immer noch brennenden Augen.

Nachmittags fahren wir nach Prenzlauer Berg, um an einer kleinen Veranstaltung teilzunehmen. Eine Bekannte von mir organisiert dort einen Zeitzeugen-Abend: Ältere Menschen aus der Gegend erzählen über das Leben im Kiez zu Zeiten des 2. Weltkrieges. Die Veranstaltung ist gut besucht, die zwei kleinen Räume sind voll von alten und jungen Menschen. Eine Frau und zwei Männer sprechen über ihre Jugend, die zu einer anderen Wirklichkeit gehörte…

Für mich ist es das erste Mal, dass ich Deutsche über ihre Kriegserlebnisse erzählen höre. Sie unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der anderen Nationen bis auf eins: der Krieg auf deutschem Boden dauerte nur ein paar Monate – alle anderen hatten ihn viel länger ertragen müssen.

Der Nationalsozialismus war eine totalitäre Diktatur wie jede andere vor und nach ihr – sie war aber die einzige, die einen Weltkrieg verursachte. Jede Diktatur bedient sich einer anderen Ideologie und anderer Methoden, um ihre – realen oder erfundenen – Feinde zu beseitigen. Jede setzt auch eine raffinierte Propaganda ein, um sich das Volk gefügig zu machen.

zeitzeugen

zeitzeugen

Thema: 02 - Februar, unscheinbar 2006